Für alle Katzen-Liebhaber

Gedanken zum Katzen Zusammenführen

Früher ging man davon aus, dass Katzen Einzelgänger sind. Doch viele Bauernhöfe und mitlerweile auch viele Studien widerlegen diese Annahmen: Katzen sind soziale Tiere, die in Gemeinschaften leben (können) und dies auch bewusst tun. Diese neuen Studienergebnisse  sollten wir dennoch nicht pauschalisieren, denn auch unter Katzen gibt den sprichwörtlichen Einzelgänger, der aber die Ausnahme bildet.

Den Grundstein für ein soziales Verhalten einer Katze wird schon während ihrer ersten Lebenswochen bzw. -monate durch die Katzengruppe gelegt. In dieser Zeit prägen sich die ersten Charakterzüge, welche vor der Zusammenführung fremder Katzen analysiert werden sollten. Hier zählt der Spruch: Gleich und gleich gesellt sich gerne.

Eine passende Partnerkatze finden

Die Charakter unserer Katzen sollten möglichst gut zusammenpassen, sprich die Charaktereigenschaften der ausgewählten Partnerkatze sollten bestmöglich mit denen unserer „Erstkatze“ hamonisieren. Bei der Analyse der Charaktereigenschaften gibt es sechs Punkte, an die wir bei der Beobachtung der Verhalten unserer Katzen denken sollten:

  1. Bewegungsdrang
  2. Extrovertiertes oder introvertiertes Verhalten (= sozial-offen oder sozial-verschlossen )
  3. Umgang mit Nähe und Distanz
  4. Spielverhalten
  5. Alter und Geschlecht
  6. Vorlieben innerhalb der Ressourcen

Schauen wir uns die genannten Punkte im Einzelnen an.

1. Bewegungsdrang

Wie aktiv ist Deine Katze? Liebt sie es durch die Wohnung zu toben, um die Ecken zu rutsche, wie eine Wilde über das Sofa zu jagen und den Kratzbaum in zwei Sätzen bis unter die Decke regelrecht zu fliegen? Oder suchst sie eher das ruhigere Spiel, liebt Beschäftigungsbretter und lässt sich zu keinem schnellen bzw. körperbetonten Spiel bewegen?

Katze spielt wild mit dem Federwedel

Treffen nun diese zwei in ihrem Bewegungsdrang völlig unterschiedliche Katzentpen aufeinander, werden beide frustriert sein. Während sich die ruhigere Katze meistens in ihrer Ruhe gestört fühlt und sich sogar zurückzieht, ist die bewegungsfreudigere Katze frustriert über die ausbleibende Reaktion und sucht ggf. immer offensiver den Kontakt.

Missverständnisse und Unstimmigkeiten wären die Folge, welchen wir durch die Wahl einer Katze mit dem passenden Bewegungsdrang entgegenwirken müssen.

2. Extrovertiertes oder introvertiertes Verhalten 

Aus dem Level des Bewegungsdranges einer Katze lässt sich nicht unbedingt auf die Wesensarten wie extrovertiert (sozial-offen) oder introvertiert (sozial-verschlossen) schließen. Daher ist es wichtig neben der Betrachtung des Bewegungsdranges auch das Maß an Kontaktfreudigkeit zu anderen Katzen, zum Lieblingsmenschen und auch zu anderen im Haus lebenden Personen zu analysieren.

Eine im Umgang mit anderen Katzen eher ruhigere, zurückhaltende oder gar schüchterne Katze, wird bei der Vergesellschaftung mehr Zeit, Geduld und vor allem mehr Behutsamkeit benötigen.

Eine eher extrovertierte Katze hingegen geht eher freundlich beherzt auf ihre Artgenossen zu und fordert diese gerne einmal frech und übermütig zum Spiel oder Kuscheln auf.

Diese Wesenseigenschaften zeigt die Katze dann nicht nur in einigen wenigen Situationen , sondern in Bezug auf alles, Schmusestunden, Schlafplätze, Futter- und Trinkplätze.

3. Umgang mit Nähe und Distanz

Bei dem Bedürfnis unserer Stubentiger nach Nähe und/oder Distanz müssen wir zwischen dem Wunsch nach menschlicher Nähe und dem Wunsch nach Kätzischer (tierischer) Nähe unterscheiden. Wenn wir eine Schoß- und Kuschelkatze haben, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sie dieses innige Verhalten auch mit anderen Katzen ausleben möchte.

Katze sucht Kontakt zu ihrem Menschen

Das Spektrum des Nähebedürfnisses zwischen Katzen reicht von innigstem Körperkontakt und miteinander kuscheln, über gegenseitige Körperpflege, liegen auf engem Raum ohne Körperkontakt, bis hin zur Vermeidung eines gemeinsamen Aufenthaltes in demselben Raum.

Bei dem zuletzt genannten Typ sollte eine Zusammenführung noch einmal gewissenhaft durchdacht werden, da sie für eine Katzengemeinschaft nicht geeignet scheinen.

4. Spielverhalten

Spiel ist nicht gleich Spiel. Abgesehen von den Beschäftigungsspielzeug, was kein wirkliches Spiel darstellt, gibt es unter Katzen Raufspiele und Verfolgungsspiele.

Raufspiele werden in der Regel eher von Katern oder mit (vielen) Brüdern aufgewachsenen Katzen bevorzugt. (Wilde) Verfolgungsjagden quer durch die Wohnung, bei denen jeder einmal der Gejagte und der Jäger ist, finden alle bewegungsbegeisterten Katzen toll.

Verfolgungsspiele sind weniger körperbetont als Raufspiele und lassen jeder kleineren und schwächeren Katze einmal die Chance die dominantere Position des Verfolgers einzunehmen. Außer ein paar Pfotenhieben komtm es hier zu (fast) keinem Körperkontakt. (es sei denn sie münden in hitzigen Raufspielen.)

Zwei Katzen toben

5. Alter und Geschlecht

Abgesehen von den individuellen bedürfnissen haben junge und jugendliche KAtzen und oft auch noch junge erwachsene Katzen einen höheren bewegungsdrang, den sie ausleben wollen. Diesem Aktivitätsdrang müssen wir und auch die Mitkatzen nachkommen, anderenfalls folgen Frustration, Unruhe und Stress zwischen allen (Katzen und Menschen).

Wichtig hierbei istt, das Geschelcht der Katze mit einzubeziehen: Weibliche Katzen haben aufgrund ihrer kleineren Statur und der damit verbundenen geringeren Muskelmasse und geringeren Kraft einen erheblichen Nachteil gegenüber den oft größeren, schweren und stärkeren Katern.

Daher tendieren Katzen eher zu körperlosen (Verfolgungs-)Spielen und sind bei Raufspielen meistens benachteiligt und eher überfordert. 

Unter vielen Brüdern aufgewachsene, rauhbeinige Katzen und sensible, nur unter Schwestern aufgewachsene Katerchen gibt es ebenso und müssen auch dementsprechend Gesellschaft bekommen.

6. Vorlieben innerhalb der Ressourcen

Ressourcen sind (Hilfs-)Mittel zur Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse wie trinken, Fressen, Bewegung, Spzialkontakt, Schlafen und der Toilettengang. In einem Mehrkatzenhaushalt stehen mehrere Katzen in Kukurrenz um die genannten ressourcen.

Für das Vorhandensein von einiger Ressourcen wie Futter- und Trinkplätze, Schlaf- und Ausguckmöglichkeiten, Spielzeug, Toiletten sowie Kratzbäume und andere Kratzmöbel können wir ausreichend sorgen. Die einzige Ressource, die wir nicht beliebig vervielfältigen können, ist die Zeit und die Nähe zu ihren Lieblingsmenschen.

Für personenbezogene bzw. -fixierte Katzen sind wir (fast) lebensnotwendig und können oftmals nicht durch andere Personen ersetzt werden. Hier bekommen wir die Aufgabe, jeder Katze den gleichen Umfang an Aufmerksamkeit einzuräumen, auch neben unseren vielen Verpflichtungen.

Eifersüchteleien und andere Schwierigkeiten in Form von liebevollen oder rabiaten Vertreiben der fremden Katze von dem Lieblingsmenschen oder gar das Meiden der Nähe des Lieblingsmenschen, wenn die andere Katzeanwesend ist, müssen frühzeitig erkannt und gebannt werden, bevor Frustration, Missgunst, Traurigkeit oder Hass zwischen den Katzen entsteht.

Bei sehr personenfixierten Katzen macht es daher Sinn, eine nicht ganz so personenbezogene Katze auszuwählen.

Fazit

Jede Katze bringt aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen individuelle Voraussetzungen für eine Vergesellschaftung mit anderen Katzen mit. Verfügt sie über nur gute und harmonische Erinnerungen an ihre Sozialisierung als Kitten und an ihr Leben in einer Katzengruppe, steht sie höchstwahrscheinlich einer Zusammenführung sehr offen und neugierig gegenüber. Dies ist aber nur eine Tendenz.

Jede Katze in ihrer individuellen Persönlichkeit beobachtet werden und benötigt aufgrund ihres einizigartigen Charakters die passende Partnerkatze.

Als *MUST-HAVE* für die Zusammenführung von Katzen kann ich das Buch „Katzenzusammenführung mit Herz und Verstand(externer Link) von Christine Hauschild empfehlen. Ein MUSS in jedem Mehrkatzenhaushalt!

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