Für alle Katzen-Liebhaber

Trinktechnik der Katze

Wie trinkt eine Katze?

Die Trinktechnik der Katze ist so schnell, dass sie vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen werden kann. Daher wurde lange angenommen, dass Katzen ebenso wie Hunde ihre Zunge zu einer Art „Suppenkelle“ formen und somit Wasser schöpfen. Dem ist aber überhaupt nicht so.

In dem 1940 erschienenden und Oscar-prämierten Kurzfilm „Quicker ’n a Wink“ (externer Link zu Youtube) wurde damals schon eine Katze beim Trinken in Slow Motion gezeigt (ab Minute 4:31). Dort ist deutlich sichtbar, dass sie zwar ihre Zunge wie ein „J“ formt, aber diese nicht als „Suppenkelle“ verwendet. Der Hohlraum auf ihrer zum Körper eingerollten Zungenseite bleibt leer.

Slow Motion-Aufnahmen der Trinktechnik

Wissenschaftler¹ des MIT (Massachusetts Institute of Technology) haben die Trinktechnik der Katze genauer angeschaut und diese analysiert. Sie haben Hochgeschwindigkeitsaufnahmen gemacht, um die Bewegung von Zunge und Flüssigkeit während der Flüssigkeits-Aufnahme genau zu erfassen.

Während der Trinkbewegung streckt die Katze die Zunge zur Flüssigkeit. Die Zungenspitze hat sie zum Körper hin eingerollt, sodass sie wie ein „J“ aussieht (Bild A).

4 Fotos einer Katze, die in Slow Motion Milch trinkt

Mit dieser Flächenvergrößerung berührt die Katze die Flüssigkeit an der Oberfläche (Bild B). Die Zunge muss nicht unbedingt in die Flüssigkeit hineingetaucht werden.

Wenn die Katze nun ihre Zunge wieder zurückzieht, wird auch die an der Zunge haftende Flüssigkeit nach oben mitgezogen (Bild C). Durch diese Bewegung bildet sich eine Wassersäule.

Im Moment der höchsten Wassersäule schließt die Katze ihr Maul und „beißt“ sozusagen das Wasser ab (Bild C+D). Dieses verbleibt dann für die nächsten 3-17 Schleckzyklen in den quer verlaufenden Gaumenfalten, bis sie eine ausreichende Menge zu sich genommen hat und diese schluckt.

Ergebnis der Videoaufnahmen

Die Analyse der Trinktechnik der Katze mit Hilfe von Videosequenzen ergab eine Frequenz von 3,5 Schleckbewegungen pro Sekunde und eine Flüssigkeitsaufnahme von durchschnittlich 0,14ml pro Schleckbewegung. Je größer die Zunge ist bzw. je schneller die Schleckbewegung erfolgt, desto mehr Flüssigkeit kann die Katze pro Bewegung aufnehmen. Somit kann die Katze über die Geschwindigkeit selber bestimmen, wie viel Flüssigkeit sie pro Bewegung aufnimmt.

Aufgrund der geringen Menge, die die Katze pro Schleckbewegung aufnehmen kann, kann sie relativ lange brauchen, um eine größere Menge Flüssigkeit aufzunehmen.

Diese besondere Trinktechnik und die pro Trinkprozess effektiv aufgenommene Wassermenge muss bei der Betrachtung der Trinkmenge der Katze berücksichtigt werden.

Quellen:
  1. Reis, P.M., Jung, S., Aristoff, J. M., Stocker, R. (2010): How Cats Lap: Water Uptake by Felis catus. Science 330 (6008): S. 1231-1234.
  2. Fotos aus dem Video „Cat Drinking „Mystery“ in Slow Motion 600 FPS“: Youtube-Channel von TAOLFEDERMAUS
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